Erfahrungsbericht aus der Praxis

LEGO® SERIOUS PLAY®: Die Methode wirkt durch die Haltung der Begleitung

Warum Modelle erst dann wirklich hilfreich werden, wenn Wertschätzung, Empathie, Kongruenz und eine Haltung des Nichtwissens den Prozess tragen.

LEGO® SERIOUS PLAY® · Coaching · Prozessbegleitung

Situation

LEGO® SERIOUS PLAY® kann Räume öffnen, in denen Menschen sichtbar machen, was sich sprachlich bisher kaum ausdrücken ließ. Gleichzeitig entfaltet die Methode ihre Wirkung aus meiner Sicht erst durch die Haltung, mit der ein solcher Prozess begleitet wird.

Besonders geprägt haben mich dabei drei Basisvariablen nach Carl Rogers, die ich während meiner systemischen Coaching- und Change-Management-Ausbildung am INeKO der Universität zu Köln und zum Prozessbegleiter in der Gefühls- und Körperarbeit verinnerlicht habe:

Wertschätzung, Empathie und Kongruenz.

Wertschätzung: Würdigen, was geschieht

Wertschätzung bedeutet für mich, das würdigen zu können, was sich im Prozess zeigt.

Menschen bringen ihre Erfahrungen, Schutzmechanismen, Emotionen, Widerstände und eigenen Wege mit. All das hat eine Geschichte und erfüllt häufig eine Funktion.

Damit ich auch in emotional intensiven Situationen gelassen und präsent bleiben kann, waren für mich intensive Selbsterfahrungsprozesse entscheidend. über einen Zeitraum von mittlerweile fast zehn Jahren habe ich gelernt, eigene Trigger wahrzunehmen, zu bearbeiten und im Alltag zu integrieren.

Dadurch gelingt es mir heute leichter, mit Teilnehmenden in Kontakt zu bleiben, unabhängig davon, was gerade ausgedrückt wird und mit welcher Intensität dies geschieht.

Für mich ist das eine wichtige Grundlage, um beurteilungs- und bewertungsfrei begleiten zu können.

Empathie: Mitschwingen, ohne sich zu verlieren

Empathie bedeutet für mich, emotional mitzuschwingen und zugleich wahrzunehmen, was gerade in der Wirklichkeitskonstruktion eines Menschen geschieht.

Mitschwingen heißt dabei weder, Emotionen zu übernehmen, noch sie zu verstärken oder kleinzureden.

Es bedeutet, Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen und gemeinsam zu reflektieren. Dazu gehört auch die Einordnung, ob Eigen- oder Prozessresonanz gerade Thema ist. Aus meiner Sicht ist es die Verantwortung von Begleitenden, Eigenthemen außerhalb des Prozesses für sich selbst zu bearbeiten und zu integrieren. Teilnehmende sollten nicht zusätzlich mit persönlichen Themen von Coaches belastet werden.

Gerade in LEGO® SERIOUS PLAY®-Prozessen können Modelle sehr persönliche Bedeutungen tragen. Ein einzelner Stein kann für Verlust, Angst, Hoffnung, Verbundenheit oder einen lang getragenen Konflikt stehen.

Als Facilitator möchte ich solche Momente weder dramatisieren noch bagatellisieren. Ich halte sie und überlasse den Menschen Deutungshoheit über das eigene Modell und die eigene Geschichte.

Kongruenz: Leben, wofür ich stehe

Kongruenz ist für mich der wichtigste dieser drei Faktoren.

Ich verstehe darunter eine möglichst hohe Übereinstimmung zwischen dem, was ein Mensch sagt, wie er handelt und was im Kontakt spürbar wird.

Durch prägende Erfahrungen in meiner Kindheit habe ich sehr feine Antennen für Unstimmigkeiten entwickelt. Ich nehme häufig früh wahr, wenn Worte und Verhalten auseinanderfallen oder wenn eine unausgesprochene Absicht im Raum steht.

Was früher vor allem ein Schutzmechanismus war, ist heute zugleich eine wertvolle Fähigkeit in meiner Arbeit.

Im Umgang mit Unternehmen hilft mir diese Wahrnehmung dabei, genauer hinzuschauen, wenn offen formulierte Ziele und tatsächlich spürbare Interessen auseinanderliegen. Eine mögliche Hidden Agenda wird dadurch für mich oft früh erkennbar. Wahrnehmungen in dieser Richtung spreche ich wertschätzend und offen an.

Für die Begleitung von Teilnehmenden bedeutet Kongruenz für mich noch etwas anderes:

Ich lebe selbst, wofür ich stehe.

Mein eigenes Thema ist Transformation. Ich habe sie über Jahre nicht nur theoretisch betrachtet, sondern persönlich erlebt, durchlitten, gestaltet und zunehmend als Teil meiner Biografie angeeignet.

Deshalb fällt es mir leicht, Menschen in Veränderungsprozessen glaubwürdig zu begegnen. Diese Arbeit bereitet mir große Freude, weil sie eng mit meiner eigenen Entwicklung verbunden ist.

Bescheidenheit und die Haltung des Nichtwissens

Zu dieser Grundhaltung gehört für mich auch Bescheidenheit.

Ich weiß, dass auch ich mit Annahmen, Mustern und Schubladen durch die Welt gehe. Sie helfen meinem Gehirn und meinem Nervensystem, Komplexität zu reduzieren und schneller Orientierung zu finden.

Entscheidend ist für mich deshalb weniger, solche Annahmen vollständig zu vermeiden. Entscheidend ist, wie ich mit ihnen umgehe.

Ich behandle sie im Kontakt mit Teilnehmenden als Hypothesen.

Ich kann meine Wahrnehmung klar benennen und zugleich offenlassen, ob mein Gegenüber die Situation ähnlich, teilweise anders oder vollkommen anders erlebt.

So könnte eine Intervention beispielsweise lauten:

„Mir kommt es so vor, dass Spannung zwischen diesen beiden Bereichen ist. Wie ist das für euch?“

Damit wird meine Hypothese zu einem Angebot und zu einer Einladung, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen.

Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass unverarbeitete, unbewusste Themen die Hürde erhöhen können, eine andere Meinung zu äußern. Daher sind Selbsterfahrungen und die Verarbeitung eigener Themen für Coaches unverzichtbar, um Interventionsangebote leicht rückweisbar für Teilnehmende zu kommunizieren.

Diese Haltung des Nichtwissens schützt aus meiner Sicht vor vorschnellen Zuschreibungen und schafft Raum für neue Perspektiven.

Aktualisierungstendenz statt Motivationsinszenierung

Ein weiterer Gedanke nach Rogers prägt meine Arbeit: die Aktualisierungstendenz.

Ich vertraue darauf, dass Menschen grundsätzlich danach streben, sich weiterzuentwickeln und unter den jeweils vorhandenen Bedingungen eine für sich stimmige Lösung suchen und finden.

In einem co-kreativen Prozess entwickeln die Teilnehmenden deshalb das für sie bestmögliche Ergebnis, zu dem sie in diesem Moment in der Lage sind.

Dieses Ergebnis muss weder meiner Vorstellung entsprechen noch von außen spektakulär wirken. Es reicht, für die Menschen anschlussfähig und stimmig für den Moment zu sein, um anschließend damit weiterzuarbeiten.

Aus meiner Sicht brauchen Teilnehmende dafür keine inszenierte Motivation und keine „Tschakka“-Begleitung.

Sie brauchen echte und nahbare Prozessbegleitung.

Eine Begleitung, die einen sicheren Raum, einen klaren Rahmen und geeignete Impulse anbietet und den Menschen anschließend zutraut, ihren eigenen Weg zu gehen.

Genau darin liegt für mich auch die Verbindung zwischen LEGO® SERIOUS PLAY®, systemischem Coaching und Transformation:

Die Methode liefert weder fertige Antworten noch einen vorgegebenen Weg.

Sie schafft Bedingungen, unter denen Menschen ihre eigenen Perspektiven ausdrücken, miteinander verbinden und co-kreativ etwas entwickeln können, das vorher noch nicht sichtbar war.

Markenhinweis: LEGO® und SERIOUS PLAY® sind Marken der LEGO Gruppe. Diese Webseite und dieser Praxisbericht werden von der LEGO Gruppe weder unterstützt, autorisiert noch empfohlen.

Der vollständige Markenhinweis steht im Impressum. Weitere Informationen zu den Markenrichtlinien finden sich bei The LEGO Group.

Weiterführende Praxisberichte

Komplexe Themen sichtbar machen?

Ich begleite Workshops und Veränderungsprozesse mit klarem Rahmen, wertschätzender Haltung und Methoden, die Menschen ins gemeinsame Denken bringen.

Gespräch buchen