Situation
In meiner Betriebsratsarbeit habe ich Veränderungen unter hohem Druck erlebt: Konflikte im Gremium, Beschäftigungssicherung, Standortschließung, Verhandlungen und unterschiedliche Interessen. Dabei wurde für mich deutlich: Je später Beteiligung beginnt, desto kleiner wird der Gestaltungsspielraum.
Diese Erfahrung brachte ich beim CAIDAO-Mitbestimmungscamp in eine INQA-Veranstaltung zum Thema Innovationstreiber Betriebsrat ein.
Herausforderung
Bei KI richtet sich die Aufmerksamkeit schnell auf neue Werkzeuge. Für Betriebsräte stellen sich jedoch zuerst andere Fragen: Was verändert sich an der Arbeit? Welche Qualifizierung wird benötigt? Welche Daten werden verarbeitet? Wo entstehen Entlastung, Kontrolle oder neue Belastungen? Welche Beschäftigten und Fachstellen müssen beteiligt werden?
Ein Betriebsrat kann diese Fragen kaum wirksam bearbeiten, wenn die technische Lösung bereits ausgewählt wurde.
Handlung
Ich verband meine Betriebsratserfahrung mit Projektmanagement und beteiligungsorientierter Veränderungsarbeit. Der Ausgangspunkt war nicht: Welche KI soll eingeführt werden? Der Ausgangspunkt war: Welche konkrete betriebliche Aufgabe soll besser gelöst werden?
Für meine KI-Seminare und Workshops entwickelte ich deshalb einen Ablauf, der Technik und Arbeitsrealität verbindet: Zuerst vermittle ich die KI-Grundlagen verständlich und praktisch. Anschließend machen die Teilnehmenden mit LEGO® Serious Play® sichtbar, welche Chancen, Sorgen, Rollen und Abhängigkeiten sie erkennen.
Aus den einzelnen Perspektiven entsteht ein gemeinsames Systembild. Darin werden auch Betriebsrat, Geschäftsführung, Beschäftigte, Datenschutz, Schwerbehindertenvertretung und Arbeitsschutz berücksichtigt. Erst danach leite ich mögliche Anforderungen an einen KI-Test oder eine Betriebsvereinbarung ab. Für praktische Übungen nutze ich ausschließlich fiktive, eigene oder freigegebene Inhalte.
Ergebnis
Aus einer abstrakten Diskussion über KI entsteht ein konkretes Bild der betrieblichen Auswirkungen. Der Betriebsrat erscheint darin nicht nur als Prüfer einer fertigen Lösung. Er bringt Wissen über Arbeitsabläufe, Belastungen, Qualifizierung und die Sicht der Beschäftigten ein. Damit kann er früh zur Qualität einer KI-Einführung beitragen.
Learning
Meine Erfahrung aus Mitbestimmung und Veränderungsprojekten zeigt: Beteiligung beginnt nicht mit der fertigen Betriebsvereinbarung. Sie beginnt bei der Beschreibung der betrieblichen Aufgabe. Ein Betriebsrat wird zum Innovationstreiber, wenn er nicht nur Risiken benennt, sondern gute Arbeit, Qualifizierung und sinnvolle KI-Anwendungen aktiv mitgestaltet.
Impuls
An welcher Stelle wird der Betriebsrat in einem KI-Vorhaben beteiligt? Bei der Prüfung einer fertigen Lösung – oder bereits bei der Frage, welches betriebliche Problem gelöst werden soll?
Stehen Sie vor einer KI-Einführung oder Transformation?
Im gemeinsamen Austausch kann ich beim Perspektivwechsel helfen, damit Ihr Vorhaben gelingt.
