Situation
Bei KI beginnt die Diskussion häufig mit den Möglichkeiten eines neuen Werkzeugs: Welche Funktionen bietet es? Welche Aufgaben kann es übernehmen? Wie lässt es sich möglichst schnell einsetzen?
Für mich beginnt eine sinnvolle KI-Anwendung mit einer anderen Frage:
Wofür soll sie eingesetzt werden – und für wen soll dadurch ein konkreter Nutzen entstehen?
Diese Frage verbindet Technologie mit Kundenorientierung. Sie lenkt den Blick darauf, welches Problem eine Organisation lösen möchte, welche Verbesserung Kundinnen und Kunden tatsächlich erleben sollen und welchen Beitrag KI dazu leisten kann.
Damit wird KI zum Mittel für einen klaren Zweck.
Herausforderung
Organisationen bewegen sich in einer Arbeitswelt, in der sich Technologien, Kundenbedürfnisse, Kompetenzen und Geschäftsmodelle laufend verändern.
Zukunftsfähigkeit entsteht deshalb aus meiner Sicht weniger durch die Auswahl eines bestimmten Tools. Entscheidend ist die Fähigkeit einer Organisation, neue Situationen zu verstehen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und passende Lösungen zu entwickeln.
Dazu gehören Fragen wie:
- Welche Aufgabe möchten wir besser lösen?
- Welchen Nutzen sollen unsere Kundinnen und Kunden erleben?
- Was verändert sich dadurch in den Arbeitsabläufen?
- Welche Rollen und Kompetenzen werden benötigt?
- Welche zusätzlichen Wirkungen kann die Veränderung im Gesamtsystem auslösen?
Organisationale Resilienz zeigt sich für mich genau darin: Veränderungen früh wahrzunehmen, sie gemeinsam bearbeitbar zu machen und aus Erfahrungen neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Handlung
Auf dieser Perspektive basiert u.a. die Konzeption eines 3D-Businessplan-Workshops für Gründerinnen, den ich zusammen mit Dr. Katarina Kleinschmidt im September für die Wirtschaftsförderung Neuss im Land NRW anbiete.
Im Mittelpunkt stehen zunächst Kundinnen. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit ihrer Lebens- oder Arbeitssituation, ihren Bedürfnissen und den Aufgaben, bei denen ein Angebot sie unterstützen kann.
Erst danach richtet sich der Blick auf Produkte, Leistungen, Prozesse und mögliche Technologien.
Durch diesen Ausgangspunkt lässt sich auch die Frage nach KI leichter beantworten:
Welches Problem der Kundin möchten wir besser lösen – und welchen Beitrag kann KI dabei leisten?
Gleichzeitig werden mögliche Nebenwirkungen der Veränderung sichtbar. Eine neue technische Lösung kann Arbeitsabläufe verändern, neue Abstimmungen erfordern, andere Kompetenzen notwendig machen oder zusätzliche Erwartungen bei Kundinnen und Kunden auslösen.
Wer diese Zusammenhänge früh betrachtet, entwickelt mehr als eine einzelne Lösung. Die Organisation stärkt ihre Fähigkeit, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu verstehen und Veränderungen bewusst zu gestalten.
Mein eigenes Praxisbeispiel
Ein Second Brain ist eine digitale Wissenssammlung, in der Notizen, Informationen und Arbeitsergebnisse so miteinander verknüpft werden, dass Zusammenhänge schnell wiedergefunden und für neue Aufgaben genutzt werden können. Vereinfacht gesagt: eine persönliche, durchsuchbare Wissenslandkarte. KI kann dabei unterstützen, dieses Wissen zu durchsuchen, zu verbinden und für konkrete Aufgaben nutzbar zu machen.
Mein Second Brain entstand aus einem konkreten Bedarf und den entscheidenen menschlichen Impuls gab mir wieder mal Daniel.
Ich wollte eine Webseite entwickeln, die mein Angebot verständlich darstellt und langfristig weiterentwickelt werden kann. Gleichzeitig suchte ich eine Möglichkeit, den Gesamtkontext meiner Arbeit im Blick zu behalten.
Bei einzelnen KI-Chats musste ich Hintergründe, Entscheidungen und Zusammenhänge immer wieder neu einbringen. Inhalte zur Webseite, zu meinen Angeboten, zu Praxisberichten, Workshops und meiner Positionierung lagen an verschiedenen Stellen.
Deshalb begann ich, mein Wissen mit Obsidian und KI-Unterstützung zu strukturieren und miteinander zu verbinden.
Der praktische Nutzen zeigte sich besonders deutlich bei der Überarbeitung meines Businessplans. Auf Basis eigener, öffentlicher und freigegebener Inhalte konnte ich einen vollständigen Businessplan in einem Bruchteil der Zeit erstellen, die ich im Vorjahr benötigt hatte.
Dafür verknüpfte ich Sekundärdaten gezielt mit vorhandenen Vorlagen, aktualisierte Annahmen und kalibrierte meine Geschäftsideen neu. Einige Angebote wurden geschärft, neu eingeordnet oder anders positioniert. Parallel aktualisierte ich mein Logo, entwickelte eine neue Corporate Identity, baute die Webseite mit Vibe Coding auf und nutzte Schreibassistenz für zahlreiche Artikel.
Viele dieser Artikel entstanden aus Wissen, das im Vault bereits miteinander verbunden war: aus Arbeitsergebnissen, Erfahrungen und dem dokumentierten Weg dorthin. Dadurch musste ich die Inhalte nicht immer wieder neu zusammensuchen, sondern konnte vorhandene Zusammenhänge für konkrete Ergebnisse nutzen.
Auch die Optimierung nach SEO, AEO, AIO und GEO folgte einem klaren Zweck. Mein Warum war nicht die Anwendung möglichst vieler Optimierungsverfahren. Ich möchte sicherstellen, dass potenzielle Kundinnen und Kunden meine Angebote auch über die zunehmende Nutzung KI-gestützter Suchen finden und verstehen können.
Mein Ziel war dabei kein technisch beeindruckendes System. Ich brauchte eine Arbeitsgrundlage, die mir hilft, Zusammenhänge zu erhalten und daraus konkrete Ergebnisse zu entwickeln.
Ein sichtbarer Kundennutzen entsteht beispielsweise durch ein einheitliches Corporate Design.
Farben, Schriften, Gestaltungselemente, Seitenstrukturen und sprachliche Grundsätze können im Gesamtkontext hinterlegt und bei neuen Inhalten wieder aufgegriffen werden. Dadurch entsteht über meine Webseite, Artikel, Unterlagen und weitere Kontaktpunkte hinweg ein vertrautes Nutzungserlebnis.
Kundinnen und Kunden können leichter erkennen, dass die unterschiedlichen Inhalte und Angebote zu meiner Arbeit gehören. Sie finden sich schneller zurecht und erleben eine konsistente Gestaltung der Zusammenarbeit.
Mein Second Brain unterstützt mich damit nicht nur intern beim Wissensmanagement. Es trägt auch dazu bei, dass mein Angebot nach außen verständlich, wiedererkennbar und anschlussfähig bleibt.
Die Technik ist für mich dabei Mittel zum Zweck. Ihr Wert zeigt sich darin, ob sie Orientierung schafft, die Zusammenarbeit erleichtert und einen konkreten Kundennutzen ermöglicht.
Ergebnis
Aus dieser Perspektive verändert sich auch der Blick auf KI.
Im Mittelpunkt steht nicht das Werkzeug selbst, sondern die Fähigkeit, ein relevantes Problem zu erkennen und eine passende Lösung zu entwickeln.
Dazu gehören mehrere Kompetenzen:
Kundenorientierung:
Die Organisation richtet Veränderungen an einem konkreten Nutzen aus.
Systemverständnis:
Neben der Technik werden auch Menschen, Prozesse, Rollen und Wechselwirkungen betrachtet.
Problemlösungskompetenz:
Eine komplexe Aufgabe wird verständlich gemacht, aus verschiedenen Perspektiven untersucht und schrittweise bearbeitet.
Lernfähigkeit:
Erfahrungen aus ersten Versuchen fließen in die Weiterentwicklung ein.
Anpassungsfähigkeit:
Lösungen können verändert werden, wenn sich Bedürfnisse oder Rahmenbedingungen weiterentwickeln.
So entsteht Resilienz durch Gestaltungskompetenz. Die Organisation bindet ihre Zukunftsfähigkeit nicht an ein einzelnes Werkzeug. Sie stärkt ihre Fähigkeit, immer wieder passende Antworten auf neue Situationen zu entwickeln.
Learning
Mein wichtigstes Learning lautet:
Eine sinnvolle KI-Einführung beginnt mit der Kundin und der Aufgabe, die für sie besser gelöst werden soll.
Die Technologie folgt dem Zweck.
Wer zuerst den gewünschten Nutzen betrachtet, kann leichter entscheiden, an welcher Stelle KI hilfreich ist. Gleichzeitig werden die Auswirkungen auf Arbeit, Zusammenarbeit, Kompetenzen und Kundenerlebnis früher sichtbar.
Mein Second Brain ist für mich ein konkretes Beispiel dafür. Es entstand nicht aus Freude an einem neuen Tool, sondern aus dem Wunsch, eine Webseite und ein Arbeitssystem zu entwickeln, die den Gesamtkontext berücksichtigen.
Sein Wert liegt nicht darin, besonders umfangreich oder technisch eindrucksvoll zu wirken. Sein Wert zeigt sich in den Ergebnissen: verständlichere Angebote, ein einheitliches Corporate Design, ein vertrautes Nutzungserlebnis und eine konsistente Zusammenarbeit.
Impuls
Mit welcher Frage beginnt Ihr aktuelles KI-Vorhaben?
Mit den Funktionen eines Werkzeugs?
Oder mit einer Kundin, deren Problem Sie künftig besser lösen möchten?
Vielleicht beginnt der nächste sinnvolle Schritt mit einem gemeinsamen Bild davon, für wen sich was verbessern soll und welche Veränderungen dadurch im gesamten System entstehen.
Wollen Sie das auf Ihr Thema übertragen?
Ich unterstütze dabei, aus Komplexität ein klares Nutzenziel und tragfähige nächste Schritte zu machen.
