Erfahrungsbericht aus der Praxis

IPMA Level C: Was hinter meiner Zertifizierung steckt

Wie aus einer intensiven Lernphase, Reportarbeit, Assessment und Reflexion ein breiteres Verständnis von professionellem Projektmanagement entstand.

ProjektmanagementIPMA Level CICB43K Kompass
Zertifikat IPMA Level C Certified Project Manager von Robert Lux
IPMA® Level C Zertifikat als Certified Project Manager.

Situation

Im Sommer 2026 habe ich meine Zertifizierung zum IPMA® Level C Certified Project Manager abgeschlossen.

Damit endete für mich eine intensive Lernphase, die weit über einen klassischen Projektmanagementlehrgang hinausging.

Mein Weg führte über einen D/C/B Kombinationslehrgang auf Basis der methodenunabhängigen IPMA ICB4.

Der Lehrgang umfasste 12 Lehrgangstage und insgesamt 394 Unterrichtseinheiten. Inhaltlich beschäftigte ich mich mit den 29 Kompetenzelementen der ICB4 aus drei Kompetenzbereichen:

  • Perspective: Kontext-Kompetenzen
  • People: persönliche und soziale Kompetenzen
  • Practice: technische Kompetenzen

Dazu kamen viele Stunden Selbststudium, Fallstudien, intensive Gruppenarbeiten und unsere selbstorganisierte Peergroup.

Für mich entstand daraus Schritt für Schritt ein deutlich breiteres Verständnis von professionellem Projektmanagement.

Herausforderung

Die größte Herausforderung lag für mich in der Verbindung von Theorie, eigener Projekterfahrung und persönlicher Reflexion.

Die ICB4 betrachtet Projektmanagement sehr umfassend.

Strategie, Governance, Kultur, Macht und Interessen gehören ebenso dazu wie Führung, Selbstreflexion, Kommunikation, Teamarbeit, Konflikte und Verhandlungen. Dazu kommen die technischen Kompetenzen rund um Ziele, Leistungsumfang, Termine, Qualität, Kosten, Ressourcen, Risiken, Stakeholder und Veränderung.

Gleichzeitig ist die ICB4 methodenunabhängig.

Klassisches, agiles und hybrides Projektmanagement bilden damit einen gemeinsamen Werkzeugkasten. Die konkrete Projektsituation liefert den Kontext für die Auswahl geeigneter Methoden und Vorgehensweisen.

Genau diese Verbindung hat mich besonders beschäftigt.

Es ging immer wieder darum, eine Projektsituation als Ganzes zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und das eigene Handeln nachvollziehbar zu begründen.

Handlung

Ein großer Teil meiner Arbeit bestand darin, meine eigene Projektpraxis systematisch aufzuarbeiten.

Zunächst habe ich meine Projektbiografie mit Rollen, Verantwortungsumfang, Laufzeiten und Projektmanagementerfahrung dokumentiert.

Anschließend habe ich meine drei wichtigsten Projekte als ESR vertieft betrachtet und deren Komplexität bewertet.

Für den eigentlichen Projektmanagement Report habe ich konkrete Situationen aus meiner eigenen Praxis auf Ebene der ICB4 analysiert.

Dabei entstand für jede Situation ein kleiner Kompetenznachweis nach einer einfachen Logik:

Herausforderung, eigenes Handeln, Wirkung, messbares Ergebnis, Lessons Learned.

Jeder dieser Nachweise wurde anschließend mit einem Kompetenzelement, einem Schlüsselkompetenzindikator und konkreten Messgrößen verbunden.

Insgesamt entstanden bei meiner Vorbereitung knapp 100 solcher Einzelnachweise.

Für den finalen Report habe ich daraus 67 KCI aus 20 Kompetenzelementen ausgewählt und ausführlich beschrieben.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit bestand deshalb auch in Priorisierung. Ich musste entscheiden, welche Situationen meine Kompetenz besonders gut zeigen und welche Beispiele für den Report den größten Erkenntniswert besitzen.

Lernen in der Gruppe

Die 12 Lehrgangstage bildeten den gemeinsamen Rahmen.

Besonders viel gelernt habe ich durch die praktische Zusammenarbeit.

Wir bearbeiteten zahlreiche Fallstudien, arbeiteten immer wieder in wechselnden Gruppen und mussten gemeinsam unter hohem Zeitdruck Entscheidungen treffen. Anschließend wurden Ergebnisse präsentiert, diskutiert und reflektiert.

Damit wurde Projektmanagement unmittelbar erlebbar.

Führung, Kommunikation, Entscheidungsverhalten und Gruppendynamik zeigten sich direkt in der Zusammenarbeit.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil waren unsere selbstorganisierten Peergrouptreffen in den Abendstunden.

Dort ging es um mehr als fachlichen Austausch.

Wir motivierten uns gegenseitig, gaben uns ehrliches Feedback und reflektierten gemeinsam unsere Lernfortschritte kritisch.

Dabei entstand für mich ein besonderer Lernraum.

Die Erfahrungen der anderen halfen mir immer wieder dabei, meine eigene Perspektive zu erweitern und die ICB4 stärker mit realen Projektsituationen zu verbinden.

Prüfung

Am Ende wurde aus der langen Vorbereitung ein sehr kompaktes Prüfungsprogramm.

Dazu gehörten:

  • 2 Stunden schriftliche Projektmanagementprüfung
  • mehr als 6 Stunden Assessment Center mit Fallstudie, Gruppenarbeit, Pitch, Führungsaufgaben und beobachteter Zusammenarbeit
  • ein persönliches Assessoreninterview mit Projektpräsentation und vertiefter Reflexion meiner Projekterfahrung

Für mich war gerade diese Kombination spannend.

Fachwissen, Anwendung, Verhalten, Kommunikation und Reflexionsfähigkeit wurden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Ergebnis

Am Ende stand die Zertifizierung als

IPMA® Level C Certified Project Manager.

Besonders gefreut hat mich die Rückmeldung der Assessoren.

Sie haben mich ermutigt, zeitnah die IPMA® Level B Zertifizierung anzugehen, weil sie entsprechende Kompetenzen bereits während des Assessments beobachten konnten.

Für mich ist diese Rückmeldung gleichzeitig Anerkennung und Motivation für meinen nächsten Entwicklungsschritt.

Noch wichtiger ist für mich das Ergebnis meiner eigenen Lernreflexion.

Mein Verständnis von Projektmanagement hat sich weiterentwickelt.

Ich betrachte Projekte heute noch stärker als soziale und organisatorische Systeme.

Methoden geben Orientierung und Struktur. Gleichzeitig entscheiden Beziehungen, Kommunikation, Interessen, Führung, Verantwortung und die Fähigkeit zur gemeinsamen Reflexion wesentlich darüber, wie handlungsfähig ein Projektteam bleibt. Die Handwerkskunst zu Strukturieren hilft dabei mit vereinfachten, methodenunabhängigen Ansätzen Visualisierungen zu gestalten, um den Aufmerksamkeitsfokus des Projektteams bei den aktuell wesentlichen Engpässen im Projekt zu halten.

Learning

Mein wichtigstes Learning aus diesem Weg lässt sich für mich einfach zusammenfassen:

Professionelles Projektmanagement bedeutet, komplexe Situationen als Ganzes zu begreifen, bewusst zu handeln, passende Methoden auszuwählen, Wirkung zu erzeugen und das eigene Handeln kontinuierlich zu messen, zu reflektieren und anzupassen.

Genau daraus entsteht für mich aktuell der nächste Schritt.

Mein 3K Kompass

Während der Ausbildung wurde für mich immer deutlicher, wie stark ökonomische, technische, soziale und persönliche Faktoren miteinander verbunden sind.

Aus dieser Lernreflexion entwickle ich derzeit meinen 3K Kompass weiter.

Damit möchte ich meine Erfahrungen aus Projektmanagement, systemischer Arbeit und Führung miteinander verbinden.

Ein Schwerpunkt liegt auf der systemischen Perspektive.

Zusätzlich integriere ich Mental Load und Emotional Load als wichtige Einflussgrößen für die Handlungsfähigkeit von Einzelpersonen und Teams.

Verantwortung, parallele Aufgaben, Entscheidungsdruck, personelle Engpässe, Beziehungen und emotionale Dynamiken beeinflussen die Projektarbeit jeden Tag.

Der 3K Kompass soll diese Zusammenhänge sichtbar und praktisch bearbeitbar machen.

Besonders interessant finde ich diese Perspektive für selbstorganisierte Projektteams und Betriebsratsgremien, weil dort Verantwortung häufig verteilt wird und gleichzeitig komplexe fachliche, soziale und organisatorische Anforderungen zusammenkommen.

Impuls

Die IPMA Level C Zertifizierung hat mir einen strukturierten Rahmen gegeben, meine bisherige Projektpraxis aus vielen verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Aus Erfahrung wurde dadurch reflektierte Erfahrung.

Aus Methoden entstand ein breiter Werkzeugkasten.

Und aus vielen einzelnen Lernmomenten entwickelt sich gerade mein eigener Ansatz für die Arbeit mit komplexen Projekten und Teams.

Für mich ist die Level C Zertifizierung deshalb ein wichtiger Baustein auf meinem weiteren Weg und mein nächster Schritt führt weiter zur Entwicklung meines 3K Kompasses, mit dem ich meine Erfahrungen weitergeben möchte.

Projektmanagement als Reflexions- und Handlungsrahmen

Professionelles Projektmanagement verbindet Struktur, Wirkung, Menschen und kontinuierliches Lernen.

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