Ergebnis
Veränderung braucht ein Ziel. Sie braucht gleichzeitig ein Begreifen des Problems. Erst wenn Menschen spüren, warum es so nicht weitergehen kann, entsteht Bewegung.
Dafür muss die Lage klar benannt werden: Was passiert, wenn wir nichts ändern? Welches Verhalten wird geduldet, obwohl es schadet? Welche Entscheidung wird vermieden? Genau hier entsteht der spürbare Problemraum ("Burning Platform" bzw. Warum verändern?).
Situation
In Veränderungsprozessen wird oft viel über Visionen, Zukunftsbilder, Beteiligung, Methode und Respekt gesprochen. Das ist wichtig. Schwieriger ist der Moment, in dem der Ist-Zustand ehrlich beschrieben wird.
Viele Menschen merken früh, dass etwas nicht mehr passt. Trotzdem wird es oft weich formuliert, vertagt oder umgangen. Dann bleibt das Problem im Raum, ohne wirklich bearbeitet zu werden und eine vermeintlich naheliegende Lösung kann als Zuflucht dienen.
Herausforderung
Die Herausforderung ist, deutlich zu sein, ohne Menschen bloßzustellen. Wird das Problem zu vorsichtig beschrieben, bleibt alles unverbindlich. Wird es zu hart gesetzt, gehen Menschen in Abwehr.
Gute Führung braucht deshalb beides: Klarheit und Kontakt. Es muss ausgesprochen werden, was gerade ist. Gleichzeitig aushalten, was diese Klarheit bei anderen auslöst ("Edge & Tension").
Handlung
Ich achte darauf, Spannungen sichtbar zu machen: zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen offizieller Aussage und tatsächlichem Verhalten, zwischen Beschluss und Umsetzung.
Dabei helfen mir konkrete Beobachtungen: Stimme, Ausweichen, Erstarren, Veränderungen im Tempo, Kontakt, Aufmerksamkeitsabbruch, verwendete oder vermiedene Worte. Auch Körpersignale können wichtige Hinweise geben ("somatische Marker").
Rückblickend profitiere ich stark von stunden- oder sogar tagelangen Beobachtung von Kreisläufen in der Natur. Als Kind war ich fasziniert davon, dass jedes Verhalten eine Funktion hat und für etwas hilfreich ist.
Auch bei Menschen entscheiden oft sehr feine Signale: Wo ist Aufmerksamkeit? Kann ich entspannen oder droht Gefahr? Wem kann ich vertrauen? Und wofür könnte dieses Verhalten hilfreich sein?
Solche Signale gibt es auch in Organisationen. Sie zeigen oft früher als Kennzahlen, wo Energie, Widerstand oder unausgesprochene Wahrheit liegen. Wenn sie ernst genommen wird, kann Veränderung konkreter und anschlussfähiger werden. Erst wenn klar ist warum Veränderung nötig ist, ist genügend Offenheit für den Nordstern vorhanden, der gemeinsam erreicht werden soll ("Burning desire").
Mein Learning
Beobachtbares Verhalten in Organisationen bietet die Chance, am Ist-Zustand anzuknüpfen und zu benennen, was ist. Das ist wirksamer, als auszuweichen, einfach weiterzumachen oder Vorgaben von oben durchzudrücken, die innerlich längst abgelehnt werden.
Erst wenn klar wird, warum der aktuelle Zustand nicht mehr trägt, entsteht genug Energie für das WIE und den nächste, konkrete Schritte: Rollen klären, Termine setzen und Ergebnisse liefern.
Impuls
Welches Problem gibt es in Ihrem Betrieb, das noch nicht klar benannt wird? Und was könnte sich verändern, wenn Signale respektvoll, konkret und bewertungsfrei sichtbar gemacht werden?
In Spiegelworkshops mache ich meine Beobachtungen wertschätzend und schonungslos transparent. Ich lade anschließend dazu ein in einem Gruppenprozess zu entscheiden was beibehalten und was verändert werden soll. Dadurch wird spürbar wo das tiefere Problem liegt und beteiligungsorientierte Veränderungsmotivation kann entstehen.
Quellen und Bezugspunkte
- John P. Kotter / Holger Rathgeber: Das Pinguin-Prinzip. Wie Veränderung zum Erfolg führt; Original: Our Iceberg Is Melting.
- INeKO Institut an der Universität zu Köln: Change Management & Agile Organisationsentwicklung.
- Arndt Brandenberg, Roland Hess, Kamil Osmianski, Georg Steinbacher: Changeonomics: The simple formula behind complex change.
Spiegelworkshop anfragen
Ich unterstütze dabei, beobachtbares Verhalten, Spannungen und spürbare Probleme im Betrieb transparent zu machen.
