Erfahrungsbericht aus der Praxis

Wie ein abgesagter Workshop zu neuen Aufträgen führte

Aus dem Nachgespräch über eine Workshopabsage entstanden drei Aufträge, mehr Zielgruppenverständnis und eine neue Angebotsidee.

LEGO® SERIOUS PLAY®BusinesstestingAkquise & Vertrieb

Situation

Ich hatte einen LEGO®-Serious-Play®-Workshop für Väter entwickelt. Im Mittelpunkt sollten die unterschiedlichen Anforderungen zwischen Familie, Beruf, Verantwortung und eigenen Bedürfnissen stehen. Das Konzept war ausgearbeitet, die Veranstaltung im Rahmen der INQA-Aktionswochen zum Thema Vereinbarkeit über ein Familienzentrum veröffentlicht, über social media und Direktansprachen beworben und der Workshop vorbereitet. Trotzdem meldeten sich nicht genügend Teilnehmer an. Der Workshop musste abgesagt werden.

Herausforderung

Die Absage war zunächst enttäuschend. Ich hatte Zeit und Energie in ein Angebot investiert, das nun nicht stattfinden würde. Gleichzeitig war noch unklar, was die geringe Zahl der Anmeldungen tatsächlich bedeutete. War das Thema nicht relevant? War die Zielgruppe zu eng gewählt? War die Ansprache nicht passend? Oder war lediglich der Zeitpunkt ungünstig?

Durch Rückmeldungen aus meinem Umfeld entwickelte ich ein feineres Gefühl für die Situation der Zielgruppe. Der geplante Zeitraum fiel mit dem Beginn des neuen Schuljahres zusammen. Viele Eltern hatten Pflegschaftssitzungen, organisatorische Termine und zusätzliche Belastungen. Gleichzeitig wirkten die zurückliegenden Ferien nach, in denen Schließtage von Schulen und Betreuungseinrichtungen viele Familien stark gefordert hatten.

Das Thema war damit nicht automatisch uninteressant. Möglicherweise fehlten den angesprochenen Vätern in diesem Zeitraum schlicht die zeitlichen und mentalen Kapazitäten für einen zusätzlichen Workshop. Diese Erkenntnis veränderte meinen Blick auf die Absage.

Handlung

Die Absage erfolgte im direkten Kontakt mit der Leitung eines Familienzentrums. Statt das Gespräch mit der Absage zu beenden, fragte ich spontan, ob sie sich vorstellen könnte, LEGO® Serious Play® mit ihrem eigenen Team auszuprobieren.

Die Frage war nicht Teil eines vorbereiteten Verkaufsgesprächs. Sie entstand aus der Situation heraus. Weil ich den Eindruck hatte, dass Neugier im Raum steht und ich diese Annahme direkt überprüfen wollte. Die Leitung zeigte Interesse. Aus diesem ersten Gespräch entwickelten sich drei Aufträge für die Arbeit mit dem Team des Familienzentrums.

Gleichzeitig nahm ich die Rückmeldungen zur Belastung der Eltern ernst. Daraus entstand eine weitere Idee: ein Coachingformat für Eltern, das stärker an deren tatsächlicher Lebenssituation, zeitlichen Möglichkeiten und konkreten Belastungen ansetzt. Für dieses Jahr plane ich, diesen Ansatz im Rahmen der nächsten INQA Aktionswochen weiterzuentwickeln. Dazu bin ich mit anderen Gründerinnen im Gespräch. Auch die mögliche Gründung eines gemeinsamen Instituts zu diesen Themen ist Teil der Überlegungen.

Ergebnis

Der ursprünglich geplante Workshop fand nicht statt. Aus der Absage entstanden jedoch drei konkrete Aufträge, ein besseres Verständnis für die Zielgruppe und die Grundlage für ein neues Coachingangebot.

Damit hatte der erste Praxistest ein anderes Ergebnis als erwartet. Das offene Workshopformat für Väter war zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichend anschlussfähig. LEGO® Serious Play® erwies sich jedoch als interessant für die Arbeit mit einem bestehenden Team. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Belastung von Eltern selbst ein relevantes Arbeitsfeld sein kann.

Aus einem abgesagten Termin entwickelten sich dadurch drei unterschiedliche Ergebnisse: eine neue Kundenbeziehung, bezahlte Aufträge und eine weiterführende Gründungsidee.

Learning

Seit dieser Erfahrung unterscheide ich stärker zwischen einer gescheiterten Idee und einem Angebot, dessen Rahmen noch nicht passt. Eine geringe Zahl von Anmeldungen sagt zunächst nur aus, dass ein konkretes Angebot zu einem konkreten Zeitpunkt nicht genügend Menschen erreicht oder überzeugt hat.

Für eine sinnvolle Bewertung brauche ich weitere Informationen: Was beschäftigt die Zielgruppe gerade? Welche Belastungen bestehen? Ist der Zeitpunkt passend? Ist das Format leicht zugänglich? Gibt es einen anderen Zusammenhang, in dem die Methode einen größeren Nutzen stiftet?

Ebenso wichtig war für mich die spontane Frage im Gespräch mit der Leitung des Familienzentrums. Ich hatte keinen neuen Auftrag geplant. Ich blieb jedoch aufmerksam für eine andere Möglichkeit durch genaue Beobachtung meines Umfeld. Dadurch wurde aus einer Absage kein Abschluss, sondern der Beginn einer neuen Zusammenarbeit.

Unternehmerisches Lernen bedeutet für mich seitdem, Ideen für den Moment loslassen zu können. Es bedeutet auch, Rückmeldungen ernst zu nehmen, den Markt genauer wahrzunehmen und offen für unerwartete Anschlussmöglichkeiten zu bleiben.

Impuls

Welche Rückmeldung aus deinem Markt hast du bisher als Absage verstanden? Vielleicht richtet sie sich nicht gegen deine Kompetenz oder die gesamte Idee. Vielleicht passen Zeitpunkt, Zielgruppe oder Format noch nicht zusammen. Und vielleicht beginnt der eigentliche Auftrag genau in dem Gespräch, in dem der ursprüngliche Plan endet.

Vertriebsthema (mit oder ohne Klemmbausteinen) reflektieren?

Ein kurzes Gespräch reicht oft, um aus einer Erfahrung einen nächsten Schritt zu machen. Oder jemanden mit der passenden Kompetenz aus meinem Netzwerk zu begegnen.

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